
Die Anreise nach Arco verläuft planmäßig und staufrei.
Beim Aufladen am Brenner bleibt Zeit für ein Weißwurstfrühstück, das Andreas organisiert hat. Es reicht sogar noch für einen Kaffee danach – wenn der Kocher schon einmal aufgebaut ist.

Ein kurzer Stopp in Bozen, am Tor zu den Dolomiten, dient derweil der mentalen Einstimmung. Man kann schließlich nie früh genug damit anfangen, sich auf vier Tage Klettern und Dolce Vita vorzubereiten.
Am „Caffè Trentino“ sind schließlich alle versammelt. Bei 28 °C geht es zum ersten Aufwärmen in den Klettergarten „Falesia Family San Martino“ (Grad 3+ bis 7). Hier wird geklettert, gelacht und sich kennengelernt.

Und ganz nebenbei beginnt schon das kleine Zusatzprogramm, mit dem niemand gerechnet hat: Wissenshäppchen für zwischendurch! Jan und Andi geben Tipps und Tricks aus der Bergrettung zum Besten – vom Aufstieg am Geländerseil bis hin zu anderen nützlichen Kniffen. Mit viel Leidenschaft, großer Leichtigkeit und einer guten Portion Humor erzählen sie von guter Seilführung, effektivem Materialeinsatz und vielem mehr …
Nur bei einem Punkt verstehen sie keinen Spaß: Beim Aufbau und bei der Kontrolle der Techniken wird ganz genau hingeschaut. Denkt daran, den Schraubkarabiner zuzudrehen!
Am Donnerstag steht lockeres Bewegen am Berg auf dem Plan. Mit zwei Seilschaften am gleitenden Seil geht es auf den „Spigolo Bianco“ (Grad 4−/3+) am „Col dei Piombi“.

Der Fels ist superschön und die Aussicht einfach großartig.
Tief unter uns liegt der Gardasee, darauf kleine weiße Segelboote und die bunten Segel und Schirme der Wind- und Kitesurfer.
Einen schöneren Blick auf den See gibt es nicht!

Für das letzte Stück der Felswand baut Jan für alle Seilpartner einen gemütlichen Seilrollenflaschenzug. Ob das nun eine bergsteigerische Notwendigkeit oder einfach die konsequente Umsetzung unseres „Dolce Vita“-Mottos ist, lassen wir einmal dahingestellt.

Nach sieben Stunden Tour empfehlen unsere Sportuhren schließlich zwischen 24 und 37 Stunden Ruhepause.
Wir entscheiden uns für eine andere Regenerationsmethode: leckeres Essen mit viel Nachtisch an einem italienischen Spätsommerabend. Und wir können bestätigen: Es funktioniert bestens.

Der Freitag hält für uns alle besondere Momente bereit.
Am Vormittag steuert die Gruppe gemeinsam den Klettersteig „Via Ferrata Rio Sallagoni“ (B) an. Er verläuft durch einen Canyon, der einst als geheimer Fluchtweg von der oberhalb gelegenen Burg Drena genutzt wurde.

Auch wir flüchten gerne in den wohltuenden Schatten. Nach zwei Tagen in der Sonne ist unser Sonnenhunger erst einmal gestillt. Die Seilbrücken sorgen unterwegs für eine hübsche Abwechslung.

Stefan und Andi haben dagegen noch nicht genug und ziehen weiter zum „Via Ferrata del Colodri“ (B/C).

Wer sich mehr für den Gipfel des „Monte Colodri“ (397 m) und wer sich mehr für die geheimnisvolle Bierkühltruhe am Ausstieg des Steigs interessiert, wissen wir nicht. (Geocacher finden die Truhe vielleicht unter ///durchweg.bussen.edelmann.)

Jedenfalls kommen die beiden bestens gelaunt am frühen Abend zurück und treffen auf die Eistester Elena und Tobi. Die beiden haben inzwischen alle Sorten bei „Gelato Mio“ kennengelernt. Ehrenwort!
Etwas später treffen Jan und Regine ein. Auch sie haben an diesem Tag ein besonderes Ziel erreicht: die ersehnte Erstbegehung einer neuen Mehrseillängentour. „Il Sole che Solleva“ (4/5+) fordert mit respektablen Hakenabständen Konzentration und Courage bei der Plattenkletterei.
Und dann entstehen genau diese Augenblicke, die man für kein Geld der Welt kaufen kann. Man bekommt sie einfach geschenkt.
Im „Il Gatto Nero“ feiern wir gemeinsam unsere Erfolge und plaudern vergnügt bis tief in die Nacht.
Am letzten Tag geht es zu den „Massi di Gaggiolo“. Noch einmal wollen wir Neues ausprobieren.
Manche wagen sich an ihre ersten Vorstiege, andere üben die behelfsmäßige Kameradenrettung durch Anheben mittels Körperhub und Microtraction. Vorsicht: Das macht Spaß und sorgt für einen gehörigen Ganzkörpermuskelkater!

Am „Caffè Trentino“ verabschiedet sich die Gruppe schließlich voneinander. Am Nachmittag fahren Jan und Andi zurück. Wir anderen streunen noch ein wenig durch die Gassen von Arco und besorgen einige nützliche Dinge: Microtrax, Rollen, 120er-Schlingen und weiteres Material, das wir dank der Trainingseinheiten am Fels jetzt auch gerne unser Eigen nennen möchten.
Dann entdecken Tobi und Elena noch etwas Neues: das wunderschöne „Arboretum von Arco“. Über den Weg unterhalb der Burg erreicht man den Botanischen Garten – und am Ende des Weges steht man direkt an den Eisdielen der Fußgängerzone. Auch in einer so vertrauten Gegend lassen sich immer wieder neue Schätze entdecken!

Ein letzter Aperol und noch ein Häppchen im „Ai Conti“, bevor wirklich alle die Heimreise antreten.
Ich glaube, bei so viel Genuss haben wir während der Reise ein bisschen zugenommen: Unser Grinsen ist deutlich breiter geworden. Dafür ist das Herz leichter.
Schöne Tage in den Bergen mit wunderbaren Menschen wirken eben Wunder.



