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„Eis & Firn“ und Gipfelglück

  • 03.06.2026
  • Nicole Gerst
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Ausbildung

Am 8. Mai 2026 treffen wir uns am Blausee-Parkplatz bei Sulzau am Großvenediger.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde und dem Materialcheck geht es auch schon los. Für den ersten Teil der Gruppe geht es zunächst mit dem Hüttentaxi die ersten 17 Kilometer das Tal hinauf. Der „Aufstieg“ in der bequemen V-Klasse, die uns zur Materialseilbahn auf 1.929 m bringt, ist nicht aus Konditionsgründen atemberaubend – es ist vielmehr die Fahrweise, die uns stellenweise die Luft anhalten lässt.

Nach dem Ausladen und Schultern der Rucksäcke heißt es dann, noch etwa 550 Höhenmeter zu Fuß bis zur Kürsinger Hütte zu überwinden. Eigentlich ein „Spaziergang“, aber nicht mit diesem Schnee, wie wir relativ schnell feststellen. Die Bedingungen sind trotzdem gut, nur das Gepäck ist etwas schwerer, da wir bereits auch das Material für jene dabei haben, die erst später nachkommen. So legen wir schon bald die vorsorglich mitgebrachten Schneeschuhe an und wollten gar nicht wissen, wie es ohne wäre, denn selbst mit den großen „Patschen“ sinken wir noch unregelmäßig bis übers Knie ein. Endlich angekommen, macht sich Miguel, unser Ausbilder, schon wieder auf den Weg nach unten, um die zweite Gruppe nachzuholen.

Zustieg zur Kürsinger Hütte, 2. Gruppe (Fotograf: Miguel Garzon)

Ich bin derweil froh, dass ich mich erst einmal setzen kann, um einen seeehr leckeren Apfelstrudel zu essen. Der weckt neue Energie fürs folgende Programm, denn eigentlich ist der Freitag nicht nur für die Anreise geplant, sondern bereits ein Ausbildungstag. So geht es nach einer kurzen Mittagspause auf der Hütte und nachdem wir das Lager bezogen haben, direkt weiter: Andi, der zweite Ausbilder, macht uns im direkten Umfeld der Hütte mit einigen Spaltenrettungstechniken bekannt.

Nach der Ankunft der zweiten Gruppe reicht die Zeit noch für ein schönes Gruppenfoto vor der Hütte im Abendrot. Mit dem Wetter haben wir generell echtes Glück, vor allem nach den Vorhersagen, die deutlich schlechtere Bedingungen versprochen hatten, als wir sie nun und auch am Rest des Wochenendes vorfinden.

Im Anschluss an das Abendessen gibt es noch ein wenig Knotenkunde, genauer gesagt Knotenübungen, denn die meisten Teilnehmenden kennen die Basics bereits.

Weg zum Großvenediger (Fotograf: Phillip)

Am Vorabend findet außerdem die Tourenplanung für den Großvenediger statt, der zumindest für einen Teil der Gruppe am nächsten Tag auf dem Programm steht. Der zweite Teil der Gruppe startet zwar ebenfalls um 5 Uhr morgens, geht aber nur bis zum Gletscher mit. Dort trennen sich unsere Wege und sie suchen sich eine Spalte für realistische Rettungsübungen, die bereits am Vortag vorbereitet wurden.

Neben dem Setzen von Eisschrauben, dem Anlegen von Schneeankern, der losen Rolle mit und ohne Microtrax sowie der Selbstrettung, lernen wir auch praktische Tricks wie zum Beispiel, wie man nach dem Abseilen eine Eisschraube von unten zusammen mit dem Seil abziehen kann. Daneben stehen auch grundlegende Dinge wie das richtige Aufnehmen eines Seils oder Ordnung am Gurt auf dem Programm.

Bernd wird mittels loser Rolle aus der Spalte gerettet (Fotograf: Andreas Staudt)

Miguel führt unsere Gruppe derweil weiter bis zum Großvenediger und zeigt uns dabei das richtige Gehen am Seil, das Laufen mit Steigeisen sowie den sicheren Umgang mit dem Eispickel.

Nicole, Marcel und Selina mit einem Lächeln (Fotograf: Nicole)

Auch wenn es konditionell relativ anstrengend ist, durch den tiefen Pappschnee über den Gletscher zu stapfen, ist es insgesamt gut zu gehen – allerdings ist dies für mich und viele andere absolutes Neuland. Das Gefühl jedoch, schließlich oben am Gipfel zu stehen und es geschafft zu haben, ist unbeschreiblich und entschädigt für die Anstrengung, die man für kurze Zeit völlig vergisst.

Gipfel des Großvenedigers

Wir genießen noch ein wenig die Aussicht und steigen bald wieder ab, da uns das Wetter etwas im Nacken sitzt. Gegen Nachmittag beziehungsweise Abend ist ein Gewitter gemeldet und wir können bereits beobachten, wie es sich in der Ferne allmählich eintrübt. Dementsprechend wollen wir den Abstieg zügig meistern, was sich aber vor allem auf den letzten Metern schwierig gestaltet. Dadurch, dass der Schnee so weich geworden ist, sinken wir teilweise wieder bis zu den Knien ein. Am Abend erfahren wir, dass es der anderen Gruppe auf dem Rückweg vom Gletscher genauso ergangen ist. Daher bleibt uns nichts anderes übrig, als die Steigeisen auszuziehen und die Schneeschuhe anzulegen. Diese helfen uns, gerade noch rechtzeitig vor dem Wetter an der Hütte anzukommen, wo die anderen unter dem Balkon geschützt noch einige Trockenübungen absolvieren und mit Prusikschlingen am Seil aufsteigen.

Grat vor dem Gipfel (Fotograf: Miguel)

An der Hütte angekommen, sind jetzt alle ziemlich geschafft, aber genauso glücklich. Ein paar gönnen sich eine heiße Dusche und ein paar Dehnübungen. Anschließend treffen wir uns zum Abendessen und besprechen den nächsten Tag.

Die Planungen gestalten sich etwas herausfordernder, da das Hüttentaxi aufgrund der Lawinengefahr nachmittags nicht mehr bis ganz hinauf zur Materialseilbahn fährt und gegen 12 Uhr die letzte Fahrmöglichkeit besteht. Letztlich fällt daher die Entscheidung, bereits gegen 10 Uhr aufzubrechen. Miguel bestellt entsprechend den Bus zur Abholung an der Materialseilbahn.

Janina, Tobi und Joanna üben die lose Rolle und den T-Anker neben der Kürsinger Hütte

Den verbleibenden Morgen nutzen wir, um unsere Kenntnisse und Fähigkeiten in verschiedenen Übungen rund um die Hütte weiter zu vertiefen. Der folgende Abstieg verläuft sehr entspannt. Die Bedingungen sind hervorragend – ein weiterer Vorteil des frühen Abstiegs, denn der Schnee ist noch nicht so stark angetaut wie an den Tagen zuvor. Um 12:15 Uhr soll uns das Taxi unten abholen. Es steht tatsächlich bereit – allerdings nicht für uns. Wie es scheint, gab es ein Missverständnis, das sich jedoch zum Glück mit einem zweiten, per Funk zu uns beorderten Bus beheben lässt.

An unserem Parkplatz angekommen, verstauen wir unser Gepäck, geben das Leihmaterial zurück und setzen uns noch einmal gemeinsam in die Nachmittagssonne, um die vergangenen Tage Revue passieren zu lassen. Das Wochenende war definitiv wieder viel zu schnell vorbei. Ich denke, Andi und Miguel hätten uns noch einiges zeigen können, und ich würde auf jeden Fall noch einmal einen solchen Kurs besuchen – erst recht, wenn er ein oder zwei Tage länger dauern würde und die Inhalte dadurch noch etwas vertieft werden könnten.

Ein herzliches Dankeschön an Miguel und Andi sowie viele Grüße an alle neuen Bekanntschaften!

Bis bald und Berg Heil!

11 Karpatler in Graubünden
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