
Eine anspruchsvolle Bergwanderung durch die rumänischen Südkarpaten
Rumänien ist für viele Bergbegeisterte noch immer ein weißer Fleck auf der persönlichen Reiselandkarte. Dabei bieten die Karpaten alles, was das Bergsteigerherz begehrt: weite, einsame Landschaften, urwüchsige Wälder, wilde Grate, ausgesetzte Passagen und eine Bergwelt, die sich vielerorts noch deutlich ursprünglicher anfühlt als die stark erschlossenen Alpen.
Für mich ergab sich die Gelegenheit zu dieser Tour durch meine bergbegeisterte Partnerin Patrycja. Als Mitglied des DAV Halle (Saale) war mir die Sektion Karpaten des DAV zuvor noch nicht persönlich bekannt. Patrycja hatte jedoch immer wieder von den abwechslungsreichen und gut organisierten Touren dieser Sektion geschwärmt. Nun sollte es gemeinsam mit dieser Sektion ins Făgăraș-Gebirge gehen, das höchste Massiv der Transsilvanischen Alpen.
Die rumänischen Westkarpaten, die Apuseni, mit ihren vielseitigen Karstlandschaften kannte ich bereits von einer Seilklettertour durch den Balkan. Das Făgăraș-Gebirge im Herzen der Südkarpaten dagegen war für mich Neuland. Mit seinem Schiefer- und Gneisrelief bildet es den berühmtesten und spektakulärsten Höhenkamm Rumäniens. Hier erhebt sich mit dem Moldoveanu auf 2.544 Metern auch der höchste Berg des Landes.
Wer aus den Alpen kommt, merkt schnell, dass die Spielregeln hier etwas anders sind. Die Infrastruktur für klassisches Hütte-zu-Hüttewandern ist nur schwach ausgebaut. Die wenigen bewirtschafteten Hütten liegen meist tief in den Seitentälern und können mehr als acht Stunden voneinander entfernt sein. Dafür sind die Hauptwege und insbesondere die große Kammüberschreitung dank engagierter örtlicher Bergwachtvereine erstaunlich gut mit Farbmarkierungen an Felsen und Stangen versehen. Selbst bei dichtem Nebel gelingt die Orientierung dadurch recht gut. Wer jedoch auf dem Kamm bleiben möchte, muss weitgehend autark unterwegs sein.
Sibiu (Hermannstadt) – Tor zu den Karpaten
Start und Ziel unserer Tour ist Sibiu (Hermannstadt). Die Stadt am Fuß der Südkarpaten ist nicht nur Ausgangspunkt unserer Bergtour, sondern allein schon eine Reise wert. Die weitgehend erhaltene mittelalterliche Altstadt mit ihren siebenbürgisch-sächsischen Wurzeln verbindet Geschichte und Kultur mit einer lebendigen Gegenwart. Wer die Möglichkeit hat, sollte deshalb nicht nur zum Umsteigen bleiben, sondern einige Tage für Sibiu einplanen.
Tag 1 – Durch den Urwald zur Cabana Negoiu
Am Montagmorgen, dem 10. August 2026, geht es los. Mithilfe des ortsansässigen Siebenbürgischen Karpatenvereins (SKV) erreichen wir über eine lange, teilweise schroffe Schotterpiste den Ausgangspunkt unserer Tour. Für die Fahrer ist diese Zufahrt bereits eine kleine Herausforderung für sich.
Von dort geht es zu Fuß hinein in einen der ursprünglichsten Bergmischwälder Europas. Farne, Himbeersträucher und mächtige Bäume säumen den Weg, der teilweise kräftig ansteigt. Nach einiger Zeit erreichen wir den Wasserfall Șerbota. Über Gneis- und Schieferfelsen stürzt das Wasser in mehreren Kaskaden durch den dichten Bergwald rund 80 Meter in die Tiefe. Ein eindrucksvoller erster Höhepunkt unserer Tour.
Nur etwa zwanzig Minuten später erreichen wir die Cabana Negoiu auf 1.545 Metern Höhe. Die Hütte ist Ausgangspunkt für die Besteigung des Negoiu, mit 2.535 Metern der zweithöchste Gipfel Rumäniens. Die Unterkunft ist einfach, aber funktional: Mehrbettzimmer, gemeinschaftliche Sanitäranlagen und eine unkomplizierte rumänische Küche.


Tag 2 – Über den Negoiu und die Custura Sărății
Der zweite Tag beginnt mit dem Aufstieg zum Gipfel Negoiu. Für den Weg von der Cabana Negoiu bis zum Gipfel sind rund vier Stunden veranschlagt. Zunächst führt der Weg noch durch den Wald. Nach etwa einer Stunde erreichen wir die Baumgrenze und damit eine völlig andere Landschaft.

Am Grasplateau bei Piatra Prânzului, dem „Mittagsfels“, bietet sich ein geeigneter Rastplatz an. Ein Gebirgsbach sorgt für Abkühlung, bevor der Weg deutlich steiler und zunehmend alpiner wird. Über Fels und Blockschutt arbeiten wir uns höher, bis kurz vor dem Gipfel auch erste Kletterpassagen im Schwierigkeitsbereich UIAA I–II zu bewältigen sind. Dann stehen wir auf dem Gipfel Negoiu – 2.535 Meter über dem Meeresspiegel. Der zweithöchste Gipfel Rumäniens ist erreicht.

Doch der eigentliche Höhepunkt des Tages liegt noch vor uns. Vom Negoiu geht es über den Kleopatra-Sattel (2.430 m) und anschließend auf den schmalen, zerklüfteten Ostgrat in Richtung Serbota. Die rund 1,5 Kilometer lange Passage trägt den eindrucksvollen Namen Custura Sărății – sinngemäß das „Kirchendach“. Und der Name ist Programm.
Was nun folgt, hat mit gemütlichem Bergwandern nicht mehr viel zu tun. Der Grat besteht aus schmalen Felsplatten und messerscharfen Strukturen aus Schiefer und Gneis. Immer wieder steigen wir in tiefe Scharten ab, nur um auf der Gegenseite wieder steil emporzuklettern. Ausgesetzte Stellen, kaminartige Passagen und Kletterstellen im Schwierigkeitsbereich UIAA II sind mit Ketten und Drahtseilen gesichert.
Hier zeigt sich die besondere Qualität dieser Route. Sie verlangt nicht nur Kondition, sondern auch Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und Freude an ausgesetztem Gelände.
Bei trockenem, wolkenlosem Wetter ist die Tour ein großartiges Bergerlebnis. Die Sonne steht direkt über uns, doch die Höhe sorgt für angenehme Temperaturen. Schließlich erreichen wir den Gipfel Serbota auf 2.331 Metern.
Von dort heißt es: zurück zur Cabana Negoiu. Der zweistündige Abstieg führt teilweise durch dichte Vegetation und Latschenkiefern. Nach insgesamt rund zehn Stunden erreichen wir gegen 18 Uhr wieder die Hütte.
Ein langer Tag liegt hinter uns. Und wir wissen: Die nächsten Etappen werden nicht kürzer.



Tag 3 – Vom Negoiu zum Bâlea Lac: Wenn der Berg das Wetter macht
Am dritten Tag steht mit Bâlea Lac das nächste Etappenziel auf dem Programm. Für die Strecke von der Cabana Negoiu sind rund neun Stunden vorgesehen. Zunächst folgen wir wieder dem bekannten Weg durch den Wald hinauf zum Grasplateau bei Piatra Prânzului.
Der Weg in Richtung Bâlea Lac wird nun zunehmend hochalpin. Über geröllige Passagen erreichen wir die Strunga Ciobanului auf etwa 2.300 Metern. Die „Schafhirtenscharte“ ist ein extrem schmaler und steiler Felseinschnitt. Auf- und Abkletterpassagen an Ketten machen diesen Abschnitt zu einer anspruchsvollen alpinen Passage im Bereich T4–T5 nach SAC. Auch Steinschlag ist hier ein Thema.


Hinter der Scharte öffnet sich das nächste Tal. Die Nordwand des Negoiu rückt ins Blickfeld. Gleichzeitig verändert sich das Wetter. Wolken ziehen auf, kleine Schneefelder liegen noch im Gelände, und immer wieder wechseln sich Geröll, Blockgelände und alpine Steige ab.
Am Aussichtspunkt Portița Călțunului auf etwa 2.180 Metern machen wir Rast. Unter uns liegt der Lac Călțun auf etwa 2.135 Metern, daneben die kleine Biwakschachtel Rifugio Călțun.

Danach geht es wieder aufwärts. Der Lăițel mit seinen 2.391 Metern ist der nächste Gipfel. Nach etwa fünf Stunden liegt damit bereits ein großer Teil der Strecke hinter uns. Vor uns liegen allerdings noch rund drei Stunden bis Bâlea Lac.
Die Wolken werden dunkler. Dann beginnt es zu regnen. Kurz darauf zieht ein Gewitter auf – und zwar schnell. Wir geraten mitten hinein. Hagel prasselt auf uns herab. Ein Blitz schlägt in unmittelbarer Nähe ein. Der schmale Kammweg verwandelt sich unter dem starken Regen in einen Bach. Das Wasser läuft knöchelhoch über den Weg und macht es teilweise nahezu unmöglich zu erkennen, wohin der nächste Schritt gesetzt werden kann.
Nach etwa dreißig Minuten zieht das Unwetter weiter. Alle kommen gut durch diese eindrucksvolle Wetterepisode. Dennoch bleibt sie als eindringliche Erinnerung daran, wie schnell sich die Verhältnisse im Hochgebirge verändern können. Die Region rund um den Negoiu gilt nicht ohne Grund als eine der wetterunbeständigsten Regionen der rumänischen Karpaten.
Am Abend erreichen wir schließlich Bâlea Lac auf 2.034 Metern. Der See liegt landschaftlich wunderschön, doch die Umgebung ist inzwischen stark touristisch geprägt. Zahlreiche Wohnmobile, lautstarke Motorräder, touristische Verkaufsstände und zahlreiche Besucher bestimmen das Bild.

Tag 4 – Im Nebel über den Făgăraș-Hauptkamm
Der vierte Tag führt uns zur Podragu-Hütte am gleichnamigen See. Die Strecke zwischen Bâlea und Podragu gehört zu den großen Klassikern des zentralen Făgăraș-Gebirges. Nur: Heute bekommen wir davon kaum etwas zu sehen.
Schon beim Start liegt dichter Nebel über dem Gelände. Die Sichtweite beträgt teilweise weniger als 20 Meter. Berge, Seen und die eigentlich spektakuläre Landschaft bleiben unsichtbar. Der Lac Capra (2.249 m) beispielsweise liegt unmittelbar neben dem Weg. Dass sich der See tatsächlich dort befindet, wissen wir erst sicher, als unser Bergführer einen Stein in den Nebel wirft und wir das Platschen hören.
Nach dem steilen Anstieg zum Capra-Sattel auf 2.314 Metern geht es weiter auf dem hochalpinen Kammweg. Gemütliches Wandern ist auch heute nicht angesagt. Das Gelände verlangt ständig Aufmerksamkeit.
Eine der markantesten Stellen auf dieser Etappe ist das Fereastra Zmeilor, das „Drachenfenster“. Besonders eindrucksvoll ist zudem die nachfolgende Passage „La Trei Pași de Moarte“ („Drei Schritte vom Tod entfernt“). Ausgesetzte Felsstufen sind hier mit Stahlseilen und Ketten gesichert.


Nach etwa sechs Stunden erreichen wir den Gipfel Mircii auf 2.470 Metern. Aussicht gibt es weiterhin kaum. Dann folgt der teilweise steile Abstieg zum Podragu-See. In seinem gewaltigen, hufeisenförmigen Talkessel liegt die gleichnamige Hütte auf 2.136 Metern – die höchstgelegene bewirtschaftete Berghütte im Făgăraș-Gebirge.
Eine große Schafherde und eine Eselherde bevölkern das Gelände. Die Esel dienen als Packtiere für die Versorgung der Hütte und sollen nach Angaben der Hüttenbetreiber den Weg ins Tal und zurück teilweise selbstständig bewältigen.

Die Podragu-Hütte ist ausgesprochen einfach ausgestattet. Mehrbettzimmer, keine Dusche, eiskaltes Bergwasser am Waschbecken, keine Heizung und kein Strom für Gäste gehören hier zum Bergerlebnis. Dafür ist die Hüttenwirtin ausgesprochen freundlich, hilfsbereit und zuvorkommend.
Hier zeigt sich allerdings auch, wie wichtig ein sensibler Umgang mit der Bergumwelt gerade in abgelegenen Regionen ist. Zeitweise liegt der Geruch verbrannten Plastiks in der Luft. Hinter der Hütte finden sich zwischen Felsen und Steinen größere Mengen abgelagerten Mülls. Auch der Umgang mit den Abwässern wirft Fragen auf.
Der Gratabschnitt zwischen Bâlea und Podragu bietet keinerlei Schutzhütten und keine schnellen Notausstiege ins Tal. Das macht eine sorgfältige Tourenplanung und eine realistische Einschätzung von Wetter, Kondition und alpiner Erfahrung besonders wichtig.
Tag 5 – Zum Dach Rumäniens
Der letzte große Wandertag beginnt an der Podragu-Hütte. Unser Ziel ist das Dach Rumäniens: der Moldoveanu auf 2.544 Metern.
Zunächst geht es wieder steil hinauf zum Podragu-Sattel auf 2.307 Metern. Ein Tipp für diese Etappe: An der Hütte sollte man die Wasservorräte noch einmal auffüllen, denn bis zum Moldoveanu sind keine verlässlichen Wasserquellen mehr zu erwarten.
Der Nebel ist wieder da. Über Ucea Mare und Ucisoara mit 2.418 Metern sowie die Șaua Orzănele führt der Weg in einem ständigen Auf und Ab über den Kamm. Grasige und felsige Passagen wechseln sich ab.


Technisch ist das Gelände hier zunächst gut zu bewältigen. Dann erreichen wir den Viștea Mare auf 2.527 Metern. Von hier sind es nur noch etwa zwanzig Minuten bis zum eigentlichen Ziel der Tour. Doch diese letzten Meter haben es noch einmal in sich.
Über ausgesetzte, steile Geröllpassagen geht es an Ketten hinab in eine Scharte und auf der anderen Seite nahezu senkrecht wieder hinauf zum Moldoveanu. Die Passage bewegt sich im Bereich T4 nach SAC beziehungsweise UIAA I–II.
Und plötzlich sind wir nicht mehr allein. Viele Bergsteiger haben an diesem Tag dasselbe Ziel. An den Engstellen kommt es teilweise zu Wartezeiten, weil sich die Bergsteiger in beide Richtungen begegnen.
Dann stehen wir oben. 2.544 Meter. Moldoveanu – höchster Berg Rumäniens.
Nur eines fehlt: die Aussicht. Der Gipfel steckt, wie so häufig, in Wolken und Nebel. Der Moldoveanu ist bekannt dafür, die Wolken geradezu anzuziehen. Wer den Gipfel mit Aussicht erleben möchte, sollte deshalb möglichst früh starten. Gleichzeitig ist zu bedenken, dass der ausgesetzte Grat zwischen Viștea Mare und Moldoveanu bei einem Gewitter keinerlei Schutz bietet.

Nach dem Gipfelerfolg beginnt der lange Rückweg. Vom Viștea Mare geht es direkt hinunter ins Viștea-Tal. Insgesamt sind rund 2.000 Höhenmeter im Abstieg zu bewältigen. Ausgewaschene Wegabschnitte führen in einen breiten Talkessel. Die Strecke fordert jetzt vor allem die Knie und die letzten Kraftreserven. Es ist eine der konditionell härtesten Etappen der gesamten Tour.
Erst im Bereich der Baumgrenze lassen wir die dicke Nebelschicht hinter uns. Vor uns öffnet sich plötzlich der Blick ins Tal. Noch weiter unten, ab etwa 1.300 Metern, erwarten uns wieder blauer Himmel und Sonnenschein.

Der letzte Abschnitt führt durch ursprünglichen Wald, begleitet von einem rauschenden Fluss. Nach insgesamt rund elf Stunden erreichen wir schließlich das Tal. Dort werden wir am Forstweg von Fahrern abgeholt und zu unserer letzten Unterkunft auf dieser Tour gebracht: dem Drachenhaus in Drăguș.
Die Karpaten liegen hinter uns.
Was von dieser Tour bleibt
Fünf Tage im Făgăraș-Gebirge sind mehr als eine Aneinanderreihung von Gipfeln. Die Tour führt durch ursprüngliche Bergwälder, über ausgesetzte Grate, durch Geröll und Blockgelände, an Kettenpassagen vorbei und immer wieder hinein in eine Landschaft, die deutlich weniger erschlossen wirkt als viele alpine Regionen.
Gerade diese Mischung macht den Reiz aus. Ein Tag beginnt im dichten Wald, führt an einem Wasserfall vorbei hinauf zur Hütte und endet am nächsten Tag auf einem ausgesetzten Grat. Dann folgen Geröll, alpine Scharten, Bergseen und Gewitter. Am nächsten Morgen steht man im Nebel und tastet sich über einen Klassiker des Făgăraș-Hauptkamms. Und schließlich wartet mit dem Moldoveanu das Dach Rumäniens.
Wer solche Touren liebt, findet in den Karpaten eine faszinierende Alternative zu den bekannten Alpenrouten. Gleichzeitig sollte man sich bewusst sein, dass eine solche Unternehmung nicht einfach eine „Wanderreise“ ist. Mehrere Etappen führen durch alpines Gelände, einzelne Abschnitte erreichen den Schwierigkeitsgrad T4–T5 nach SAC, und die langen Tagesetappen verlangen Kondition, Trittsicherheit, Schwindelfreiheit sowie die Bereitschaft, auch bei widrigen Bedingungen konzentriert zu bleiben.
Gerade weil die Tour durch das Făgăraș-Gebirge so eindrucksvoll und alpin anspruchsvoll ist, sind eine sorgfältige Vorbereitung und eine kompetente Führung besonders wichtig. Die Erfahrungen dieser Tour haben gezeigt, dass eine möglichst klare Vorabinformation über den Charakter und die Schwierigkeiten der einzelnen Etappen für die Teilnehmenden einen großen Mehrwert bietet.
Dazu gehören eindeutige Angaben zu Gehzeiten, Höhenmetern und alpinen Schwierigkeiten sowie Hinweise auf Passagen, die über eine klassische Bergwanderung hinausgehen – beispielsweise durch eine Einordnung nach SAC oder UIAA. Gerade bei einer heterogenen Gruppe können solche Informationen helfen, die persönlichen Fähigkeiten und Erwartungen bereits im Vorfeld besser mit dem Charakter der Tour abzugleichen. Auch die benötigte Ausrüstung, etwa Helm, Gurt, HMS-Karabiner und Seilschlingen, sollte rechtzeitig zusammengestellt werden.
Auch die Gruppengröße und die Betreuung verdienen bei langen und technisch anspruchsvollen Etappen besondere Aufmerksamkeit. Bei Gehzeiten von zehn Stunden oder mehr und ausgesetzten Passagen kann eine Führung mit klarer Rollenverteilung – etwa mit einer Betreuung an der Spitze und am Ende der Gruppe – zusätzliche Sicherheit schaffen. Ebenso wichtig sind verbindliche Absprachen zu Startzeiten, Marschtempo, Sammelpunkten und zum Umgang mit Wetteränderungen.
Die Karpaten machen Lust auf mehr
Am Ende bleiben vor allem die Bilder: der Șerbota-Wasserfall im dunklen Bergwald, der schmale Grat der Custura Sărății, der Blick auf den Lac Călțun, die Kettenpassagen über dem Nebel, das Gewitter auf dem Kamm und schließlich der Moldoveanu, der sich uns zwar wolkenverhangen, aber dennoch als Höhepunkt der Reise präsentiert.
Die rumänischen Karpaten sind keine weichgespülte Bergdestination. Gerade darin liegt ihr Reiz. Wer bereit ist, sich auf lange Etappen, einfache Hütten, wechselhaftes Wetter und echtes alpines Gelände einzulassen, wird mit einer Bergwelt belohnt, die rau, ursprünglich und überraschend vielseitig ist.
Für mich steht deshalb fest: Die Karpaten haben Lust auf mehr gemacht.

(Fotos von Andreas Posa und Patrycja Slawski)


