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Gletscher, Gletschersee & ein Haufen Verrückte – Hochtour ab der Amberger Hütte

  • 19.10.2026
  • Nadine Bonfert
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Hochtour

Dieses Jahr musste ich eine Hochtour aus gesundheitlichen Gründen absagen – und damit blieb nur noch eine einzige übrig. Umso größer war die Vorfreude! Endlich wieder Eis unter den Steigeisen, diese unglaubliche Landschaft ganz weit oben und das Gefühl, für ein paar Tage komplett aus dem Alltag raus zu sein.

Und diesmal gab es noch einen ganz besonderen Grund zur Freude: Ich durfte die Tour gemeinsam mit meinem Papa machen. Dazu kamen alte Bekannte wie Miguel, Klaus und Werner – und eine kleine Überraschung: Unsere Truppe enthielt dieses Mal auch fünf junge Mädels. Perfekte Voraussetzungen also, um nicht nur Berge zu erklimmen, sondern vielleicht auch ein paar neue Freundschaften zu schließen.

Der etwas unspektakuläre Start

Der Zustieg zur Amberger Hütte beginnt ziemlich gemütlich. Ein breiter Weg, auf dem uns sogar einige Fahrradfahrer entgegen kamen. Während wir so gemütlich dahin spazierten, kamen schon die ersten Gedanken auf: Wie schön muss es hier im Winter für Skitouren oder zum Rodeln sein?

Aufstieg durchs Sulztal

Und dann waren wir plötzlich schon da. Eineinhalb Stunden. Das war’s. Ich gebe zu: Meine erste Reaktion war ungefähr: „Ähm … das war jetzt aber schnell.“

Auch die Hütte selbst wirkte auf den ersten Blick nicht ganz so alpin, wie ich es mir vorgestellt hatte. Also erst einmal kurz etwas trinken und anschließend doch noch eine kleine Wanderung dranhängen. Schließlich waren wir nicht extra in die Berge gefahren, um nach eineinhalb Stunden schon wieder Feierabend zu machen.

Dass ich die Hütte am Abend trotzdem noch ins Herz schließen würde, ahnte ich da noch nicht. Denn beim Abendessen wurden wir von der Hüttenwirtin mit unglaublicher Herzlichkeit und einem fantastischen Vier-Gänge-Menü verwöhnt. Und mit „Menü“ meine ich wirklich MENÜ! Riesige Portionen, köstliches Essen, ein Salatbuffet und eine Hüttenwirtin, die einfach nicht freundlicher hätte sein können.
Und als wäre das noch nicht genug, traf ich beim Abendessen auch noch zufällig eine Familie aus meiner Heimatstadt, die ich regelmäßig in der Kletterhalle sehe. Manchmal ist die Welt wirklich absurd klein.
Nach einer Runde UNO und einigen ziemlich lustigen Momenten ging es dann aber früh ins Bett. Denn am nächsten Tag wurde es ernst.

Endlich Eis!

7:30 Uhr. Gruppenfoto vor der Hütte und los geht’s!

Eigentlich stand der Windacher Daunkogel auf dem Plan. Allerdings hatte uns die Hüttenwirtin bereits am Vorabend eindringlich vor Steinschlag gewarnt. Also wurde umgeplant. Safety first!

Unser neues Ziel: der Wütenkarsattel.

Zunächst ging es weiter durch das Sulztal. Dann wurde es langsam steiniger, alpiner und spannender. Wir gewannen an Höhe, kletterten über Felsen und querten einen kleinen Grat. Und dann war er plötzlich da: der Sulztalferner. Vor uns lag der riesige Gletscher. Und ganz ehrlich: Genau für diesen Moment war ich hier.

Über den Grat zum Gletscher

Da einige aus unserer Gruppe noch nicht viel Erfahrung mit Gletschern hatten, gab es erst einmal eine kleine Einführung von Miguel. Wie funktionieren Steigeisen? Wie bewegt man sich damit auf Eis? Und wie steigt man eigentlich auf einem Gletscher auf?

Theorie beendet – jetzt wurde ausprobiert!

Zum Glück waren keine Gletscherspalten zu sehen, sodass wir einen Großteil der Strecke ohne Seil gehen konnten. Nur eine ziemlich steile Passage verlangte etwas mehr Aufmerksamkeit und eine Seilschaft mit Eisschrauben.

Und dann liefen wir einfach weiter. Über Eis. Mit Steigeisen.

Über den Gletscher

Das Knirschen unter den Füßen, die riesigen Eisflächen und diese völlig andere Landschaft um uns herum – es war einfach unglaublich. Manchmal blieb ich einfach kurz stehen und dachte mir: Wie cool ist das bitte?

Wenn ein Gletscher plötzlich ziemlich gefährlich aussieht

Besonders beeindruckend waren die Gletscherbäche. Teilweise hatten sie sich tief ins Eis gegraben. So tief, dass man den Grund nicht sehen konnte. Da wurde einem noch deutlicher bewusst, dass ein Gletscher zwar wunderschön, aber definitiv kein Spielplatz ist. Ein falscher Schritt – und das Abenteuer könnte sehr schnell vorbei sein.

Gletscherbach

Nach ein paar Stunden hatten wir schließlich das Ende des Gletschers erreicht. Steigeisen aus, weiter über Geröll und Felsen. Und irgendwann standen wir am Wütenkarsattel.

Wütenkarsattel

Vor uns: ein wunderschöner Gletschersee. Und dahinter?

Der Wütenkarferner. Noch ein riesiger Gletscher. Noch mehr Berge.
Hier verläuft die Grenze zum Stubaital, und wir konnten sogar die Hochstubaihütte sehen.
Und schon ging die Fantasie mit uns durch: Wie schön wäre es jetzt, einfach weiterzulaufen? Zur nächsten Hütte, dort ein Bierchen zu trinken, zu übernachten und am nächsten Morgen einfach weiterzuziehen. Kurz gesagt: Wir hatten direkt Lust auf eine Hüttentour. Einziges Problem: Unsere Sachen lagen noch auf der Amberger Hütte. Also leider kein spontanes Hüttentour-Abenteuer – zumindest dieses Mal.

Die Gruppe am Ziel

Dann gab es erst einmal Brotzeit. Und dann passierte etwas, das vermutlich nur in einer Bergsteigergruppe passieren kann: Ein paar völlig Verrückte beschlossen, in den Gletschersee zu springen. Und nein – es war nicht einmal warm! Wir saßen teilweise mit Daunenjacken daneben und sahen zu, wie sich andere freiwillig in dieses eiskalte Wasser stürzten.

Kurze Pause mit Blick ins Sulztal

Powernap statt Gipfelsturm

Nach dem Abstieg und einer schlechten Nacht im Lager war ich komplett erledigt. Zurück auf der Hütte angekommen, gab es deshalb erst einmal das einzig Richtige: einen Powernap. Danach wurden wir erneut mit diesem unglaublichen Essen belohnt.
Was für ein Tag! Gletscher, Eis, Gletschersee, neue Eindrücke und jede Menge Blödsinn zwischendrin. Genau so mag ich Bergtouren.

Sonntag: Der Hausberg wartet

Während zwei Mädels und Miguel am Sonntagmorgen tatsächlich freiwillig mitten in der Nacht aufstanden, um vom Vorderen Sulzkogel aus den Sonnenaufgang anzuschauen, entschied ich mich für die deutlich gemütlichere Variante. Halbwegs ausschlafen – schließlich war die Nacht mal wieder so lala. Für mich eindeutig die bessere Wahl! Da es Werner leider nicht so gut ging, blieben nur noch fünf Personen übrig, die gegen 8:30 Uhr gemütlich zum Hausberg starteten.

Und der Vordere Sulzkogel hatte tatsächlich alles zu bieten, was man sich unter einer perfekten Tour vorstellen kann. Der Zustieg war zwar kurz, dafür aber unglaublich abwechslungsreich. Grüne Wiesen. Blaubeeren. Große, wackelige Steine. Und schließlich Kletterpassagen am Drahtseil. Also eigentlich alles, was man sich von einem kleinen alpinen Gipfel wünscht.

Vorderer Sulzkogel (2.796m)

Und dann kam die Aussicht: fünf verschiedene Gletscher, mehrere Dreitausender und natürlich das Zuckerhütl, das tatsächlich genauso aussieht, wie sein Name vermuten lässt.

Wir saßen lange da und konnten uns kaum sattsehen.

Abstieg vorderer Sulzkogel

Und plötzlich ist das Wochenende vorbei

Leider kommt irgendwann auch bei der schönsten Tour der Moment, an dem es wieder bergab geht.

Abstieg. Rucksäcke packen. Und Abschied nehmen – von der letzten DAV-Sommertour.

Ich habe mich unglaublich gefreut, alte Bekannte wiederzusehen, neue Menschen kennenzulernen und diese Tage gemeinsam in den Bergen zu verbringen. Und vor allem habe ich mich gefreut, diese Tour mit meinem Papa erlebt zu haben.

Es war ein Wochenende voller Eis, Berge, gutem Essen, UNO, Gletscherseen, viel Gelächter und einer ziemlich großartigen Truppe. Und genau solche Tage sind es, die mich immer wieder in die Berge ziehen.

Danke an alle für diese wunderschöne Tour! Eins steht fest: Die nächste Tour muss ganz schnell kommen!

Fotos: Nadine Bonfert

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